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Original: Sirja@Quelle
Der Ganker, was ist das überhaupt?
Als Ganker wird jemand bezeichnet, der in einem Computerspiel den Avatar eines anderen Spielers tötet, ohne dass dieser eine realistische Chance hat, dies zu überleben. Es ist also nicht Voraussetzung, einen Charakter mehrfach zu töten um zu ganken, sondern nur, dass das Opfer schon vor dem Kampf unterlegen oder im großen Nachteil ist. Ganker gibt es in vielen Spielen, in denen man seinem Avatar Vorteile gegenüber anderen verschaffen kann, in diesem Beitrag beschränke ich mich jedoch auf Ganker in einem Multiplayer-Online-Rollenspiel wie Age of Conan oder World of Warcraft.
Die klassische Verwendung bezeichnet das Töten von Spielern als Gruppe, also in der Überzahl, ohne ihnen eine Chance zu geben. Daher soll auch das Wort Ganking als Abwandlung von “Gang(ing)” kommen.
Aufgrund der Tatsache, dass Ganker sich ihren Spielspaß auf Kosten anderer Spieler holen, werden sie von der jeweiligen Community nicht besonders gern gesehen. Daher empfiehlt sich Ganking nur für Spieler, die… a) kein Interesse am gemeinsamen Zusammenspiel mit anderen Spielern haben, sofern es nicht darum geht, gemeinsam zu ganken. b) sich hinter einem ‘Twink’ (einem zweiten, nicht mit dem Hauptcharakter in Verbindung zu bringenden Charakter) verstecken, um mal so richtig die Sau rauszulassen. c) sich einen negativen Ruf erarbeiten wollen.
Wie gankt man richtig?
Es gibt mehrere Arten des Ganking, wichtig ist allerdings immer, dass man einen Vorteil hat, den das Opfer nicht ausgleichen kann. Diesen Vorteil zieht man sich aus mehreren Punkten zusammen:
1. Die Stufe des Gegners. Das anvisierte Opfer sollte möglichst viele Stufen unter der eigenen liegen, damit ein Kampf schon im Vorfeld entschieden ist. Aufgrund der Spielmechanik mancher Spiele kann es auch vorteilhaft sein, wenn man selbst wesentlich Stufenniedriger ist als der Gegenüber, insbesondere beim Trick-Ganking mit anderen Spielern.
2. Der Ort des Angriffs. Der Ort ist sehr entscheidend für den Erfolg des Gankers. Am besten geeignet ist ein Durchgang, bei dem es keine oder nur wenige Umgehungsmöglichkeiten gibt. So ist sowohl stetiges Nachrücken neuer Opfer als auch das wiederkommen der bereits getöteten Charaktere gesichert. Auch sollten die Fluchtmöglichkeiten gering gehalten werden. Das kann erreicht werden, wenn es sich entweder um einen abgesperrten oder begrenzten Bereich des Spielfelds handelt oder der Bereich durch NPC-Gegner (”Mobs”) eingegrenzt wird, die im optimalen Fall den Ganker nicht angreifen, seine Opfer aber mit leichtigkeit totschlagen können.
Gut geeignet sich auch Orte, an denen sich Charaktere anderer Spieler treffen, um irgendeiner gemeinsamen Aktivität nachzugehen, z.B. den Besuch einer Instanz vorzubereiten oder ein Rollenspiel-Treff abzuhalten. Hier kann man den Überraschungseffekt gut nutzen, sollte allerdings darauf achten, nicht in der Unterzahl zu sein.
3. Das Versteck. Gerade für Fernkämpfer oder Charaktere, die aus dem Hinterhalt heraus angreifen, ist ein Versteck sinnvoll. Der Vorteil ist einfach: Das ahnungslose Opfer wird nicht vorgewarnt und kann angegriffen werden, wenn es die gewünschte Position erreicht oder den Kampf mit einem NPC-Gegner begonnen hat. Auch ist es so möglich, dem Opfer in den Rücken zu schießen, wenn es den Ganker bereits passiert hat, um sowohl den Überraschungseffekt als auch die Orientierungsphase ausnutzen zu können.
Die Arten des Ganking.
1. Spawn-Ganking und Corpse-Camping. Der Ganker wartet am Spawn-Punkt oder an der Leiche des Opfers (je nach Spielmechanik) darauf, dass dies wiederbelebt wird um es direkt wieder zu töten. Der Vorteil dabei liegt darin, dass das Opfer nach dem Beleben meist nur wenig Lebensenergie hat und schon nach den ersten Angriffen stirbt und so auch keine wirkliche Gelegenheit zur Flucht oder zum Gegenangriff hat. Allerdings wird diese Art des Gankens in viele Spielen von den GameMastern ungern gesehen und zieht oftmals eine Verwarnung nach sich.
2. Mobfight-Ganking. Kämpft ein Spieler gegen einen oder mehrere NPC-Gegner, die etwa auf seiner Stufe sind, wartet man einen momentlang diesen Kampf ab. Ist der Spieler dann geschwächt, ist es für den Ganker ein leichtes, ihn aus dem Hinterhalt hinaus zu töten. Der angegriffene Spieler merkt oft auch nicht sofort, dass er von einem anderen Spieler angegriffen wird, was die Chance des Gankers noch einmal deutlich erhöhen kann.
3. Gruppen-Ganking. Ist ein Spiel eine gewisse Zeit auf dem Markt und werden Ganker schnell von höherstufigen Charakteren oder Gilden verjagt, beginnen sie, sich zusammenzuschließen. Es entstehen sowohl Ganker-Gilden als auch -Gruppen, weshalb man vom Gruppen-Ganking spricht. Diese Art des Gankens wird wiederum in zwei Unterbereiche geteilt, die sich auf das Opfer beziehen. a) Single-Target: Die Gruppe tötet jeden Charakter, der ihnen zu nahe kommt, gemeinsam. b) Multi-Target: Die Gruppe tötet eine Versammlung von Charakteren. Dies ist oft der Fall, wenn Spawn-Ganking betrieben wird oder man Spielertreffs als Ganking-Ziel hat.
4. Spot-Ganking. Wird ein Gebiet oder ein bestimmter Ort von einem oder mehreren Gankern besetzt spricht man vom Spot-Ganking. Jeder, der dieses Gebiet betritt wird getötet, gleich welchen Grund er dafür hatte. Gut geeignet sind Eingänge zu bestimmten Gebieten, Farmspots, Questgebiete oder andere Orte, zu denen viele Spieler aufgrund der spielmechanischen Story-Entwicklung im Laufe ihres Spiels müssen. Spot-Ganking ist auch dazu geeignet, bestimmte Bereiche eines Spiels für andere temporär unnutzbar zu machen, was von GameMastern jedoch nicht gern gesehen wird.
5. Trick-Ganking oder Exploit-Ganking. Die für einen Spielehersteller wohl unangenehmste Art des Gankens ist das Trick-Ganking oder auch Exploit-Ganking, bei dem Fehler in der Spielmechanik ausgenutzt werden, um Vorteile gegenüber anderen Spielern zu erhalten und deren Chancen so zu verringern. Dazu kann gehören, dass man sich mithilfe von Tricks an eigentlich unerreichbare Stelle begibt, dass man andere Spieler mit verschiedenen Hilfsmitteln (niedrigstufige Spieler oder AoE-Attacken) unfreiwillig angreifbar macht oder sich selbst unangreifbar macht. Da Exploiting in den meisten Spielen verboten ist, kann auch diese Art eine Verwarnung nach sich ziehen.
Was tun, wenn man gegankt wird?
Zunächst mal sollte man ruhig durchatmen und sich überlegen ob die Situation wirklich so schlimm ist, wie man sie gerade empfindet. Klar ist es nervig, hinterrücks und/oder chancenlos getötet zu werden, aber nach dem ersten oder zweiten Mal (innerhalb kürzester Zeit versteht sich) sollte man von übertriebenen Maßnahmen absehen, denn diese Gefahr gehört auch immer zum Spiel. Als nächsten Schritt sollte man den Ganker freundlich anschreiben und ihn bitten, das Töten zu unterlassen. Wichtig dabei ist, auf eventuelle Beleidigungen nicht einzugehen – das kostet Zeit, macht aggressiv, frustriert und ist destruktiv. Lässt sich der Ganker nicht “bekehren” und tötet den eigenen Charakter weiterhin, kann man sich vertrauensvoll und freundlich (!) an einen GameMaster wenden und ihm das Problem kurz und knapp schildern. Also… 1. Beruhigen und die Lage differenziert und objektiv abschätzen. 2. Freundlichen Kontakt zum Ganker aufnehmen. 3. Gegebenenfalls Kontakt zu einem GameMaster suchen. 4. Dem Ganker aus dem Weg gehen. Das kann geschehen indem man das Gebiet oder die Instanz wechselt oder vorerst mit einem anderen Charakter weiterspielt. Allerdings sehen diese Möglichkeit viele Spieler als Niederlage gegenüber dem Ganker.
Entgegen der weitläufigen Meinung, dass das Ganking ein Problem ist, dem nur die Entwickler und GameMaster entgegenwirken müssen, gibt es noch eine Reihe weiterer Maßnahmen, die man ergreifen kann. Eine Grundvoraussetzung dafür ist eine funktionierende Community. In einem MMORPG spielt man, wie der Name schon sagt, mit vielen anderen Spielern zusammen. Diesen Umstand gilt es zu nutzen, da die Ganker meist nur einen Bruchteil der Spielerschaft darstellen und der Vorteil der Überzahl damit bei den anderen liegt.
1. Ganker ganken. Viele Spieler sehen in dem Prinzip “Auge um Auge” die Lösung. Dabei wird eine Gruppe oder ein höherstufiger Charakter benötigt, der bzw. die sich damit befassen, den oder die Ganker zu jagen und ihrerseits wieder und wieder zu töten. Oft geschieht das unter dem Deckmantel das RP schützen zu wollen, hat aber meist den gegenteiligen Effekt, weil die Gankerjäger selbst dabei aus ihrer Rolle fallen und sog. OOC-Jagten veranstalten. OOC mit OOC-Aktionen bekämpfen ist eine paradoxe Angelegenheit und sollte gut durchdacht sein. Für gewöhnlich bringt diese Gegenmaßnahme nur mäßigen und kurzfristigen Erfolg.
2. Hilfe aus der Gilde. Wird jemand gegankt, der in einer relativ großen Gilde Mitglied ist, so kann derjenige natürlich seine Gildenkameraden zu Hilfe holen. Zumeist wird das Blatt dann gewendet und ein (oder mehrere) hochstufiger Charakter begleitet und schützt den gegankten Charakter. Auch diese Möglichkeit bringt meist nur kurzen und mäßigen Erfolg, da hochstufige Charaktere für gewöhnlich besseres zu tun haben als “Lowies” zu beschützen.
3. Den Krieg erklären / Söldner anheuern. Die Ganker können in das eigene Rollenspiel mit einbezogen werden. Wenn irgendwo immer und immer wieder Menschen überfallen werden, dauert es nicht lange, bis sich eine Gruppe findet, die den verbrechern das Handwerk legen will. Eine rechtschaffende Gilde könnte den Gankern beispielsweise den Krieg erklären und so immer wieder für Ordnung sorgen bzw. das Gebiet zurückerobern und die Ganker vertreiben. Hier greift der Vorteil der Überzahl. Im Prinzip ist diese Möglichkeit der ersten (’Ganker ganken’) recht ähnlich, bindet jedoch das Rollenspiel mit ein.
4. Eine Bürgerwehr gründen. Etwas wie eine sich selbst helfende Bürgerwehr kann man beispielsweise über einen Chatchannel realisieren. Spieler, die selbst Opfer von Gankern wurden oder einfach Spaß dabei haben, anderen zu helfen und sich mit Spielern zu prügeln, können sich dort kurzfristig zusammenschließen und gemeinsam gegen die Ganker vorgehen. Auch hier ist der große Vorteil die zahlenmäßige Überlegenheit. Der Vorteil gegenüber Punkt 3 ist die Flexibilität, da man über einen Channel mehr Spieler ansprechen kann als wenn das Ganze auf eine Gilde beschränkt ist. Man kann eine Bürgerwehr auch prima im Rollenspiel aufziehen und kleine Events veranstalten. Ein Nachteil ist natürlich, dass in einem Channel jeder mitlesen kann, der ihm beitritt, also auch die Ganker. Sperrt man ihn oder schützt ihn mit einem Passwort, muss man Spieler einladen und der Schutz wäre hinfällig, weil man nicht kontrollieren kann, wer einen Ganker-Twink besitzt.
Ganker sind also eine Minderheit von Spielern, die anderen den Spielspaß nehmen um ihren eigenen zu erhöhen. Faszinierend dabei ist, dass die Mehrheit der Spieler sich darüber beschweren und die Lösung bei den Entwicklern und GameMastern suchen. Ein MMORPG lebt jedoch von seiner Community und deren Zusammenarbeit. Und die Community ist es auch, die solche Unannehmlichkeiten wie Ganker mit Leichtigkeit selbst regulieren könnte.
“Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.” (Sokrates)
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