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Die Arten des Rollenspiel - Der Versuch eines Leitfadens
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Original: Sirja@Quelle

Viele Leute denken immernoch, Rollenspiel bestünde allein daraus, gemütlich um ein Lagerfeuer oder in einer Taverne zu sitzen und sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Ich dachte, ich schreib mal auf, wie die verschiedenen Formen des Rollenspiels so aussehen. Natürlich fließt meine eigene Meinung da unweigerlich mit ein, daher ist der Post subjektiv zu sehen, andere sehen das etwas anders als ich.

Mal ganz abgesehen davon, dass eigentlich jeder der ein Rollenspiel spielt, dauerhaft rollenspielt (das liegt in der Natur der Sache) beziehe ich mich hier auf das Rollenspiel im Sinne des Ausspielens einer Rolle, wie es auf RP-Servern praktiziert wird.

Originally Posted by Sluipmoordenaar
RP [kann] um einiges vielseitiger sein als das hier vorgestellte. Es ist nicht immer nur eines oder wegen mir auch eine Kombination der [...] genannten Sachen…
Lagerfeuer- und Tavernen-RP

Fangen wir mit der ‘bekanntesten’ Form des Rollenspiels an. Man sitzt im Spiel um ein Lagerfeuer, am Strand oder in einer Taverne und tut nichts als sich zu unterhalten. Sicherlich kann es dort zu interessanten Gesprächen kommen, aber das wirklich interessante an dieser Art des Rollenspiels ist eher, was aus eben diesen Gesprächen entstehen kann. So unterhält man sich in einer Taverne nicht nur über das Wetter und die knackigen Ärsche der Stygierinnen am Nebentisch, sondern erledigt Geschäfte, reflektiert das Erlebte, schließt Bündnisse oder streitet sich auch schonmal. Als Einstieg oder Ausklang für eine interessante RP-Situation bietet sich diese Form recht gut an.

So kann aus einem Gespräch eine handfeste Schlägerei, ein Ausflug irgendwohin, ein Bündnis oder gar ein Gildenkrieg entstehen. Die Themen sind dabei so facettenreich wie das Leben selbst, es gibt praktisch nichts, was es nicht gibt, solange es in die Welt passt. Ein aquilonischer Krieger wird sich sicher nicht über Fußball unterhalten aber über die Qualität seines Schwertes und wie gut es durch Piktenfleisch schneidet. Vielleicht will sein Gegenüber sich selbst davon überzeugen und sie machen sich auf Piktenjagd…

Situations-RP (Dungeons, PvP, etc.)

In Dungeons (oder Instanzen) oder beim PvP ist es oft schwierig, in der Rolle zu bleiben, weil es manchmal auf schnelles Handeln und Reaktionen ankommt. Das heißt aber nicht, dass man völlig ins OOC verfallen muss. Man kann sich inCharakter überlegen, wie man den nächsten Gegner angeht und im Kampf vielleicht ein Script mit einem entsprechenden Spruch raushauen. Im PvP kommt es eher darauf an, wie die Situation beginnt und wie sie endet. Eine PvP-Situation auf einem RP-Server sollte eigentlich auch immer einen RP-Auslöser haben, auch wenn das oft vernachlässigt wird. Eine Schlacht, die aus einem Gildenkrieg entsteht, eine Schlägerei wegen einer Frau oder einem Streit, all solche Dinge sind PvP-Situationen, die durch Rollenspiel herbeigeführt wurden.

Zum beenden einer solchen Situation kann man ebenfalls mit Emotes etwas Atmosphäre schaffen, indem man die Leiche des Gegners (gleich ob ein PvP- oder PvE-Gegner) durchsucht oder ein kleines Zeichen hinterlässt, wie es manche Assassinen machen. Vielleicht muss sich ein Charakter auch übergeben, weil er kein Blut sehen kann. So handeln, wie es zur Situation passen würde, so, wie der Charakter sich verhalten würde, das ist Situations-RP. Dazu gehört natürlich nicht nur das Verhalten beim PvP und in Dungeons, sondern gilt das in generell jeder Situation. Ich beschränke es hier nur darauf, um besser differenzieren zu können und bitte, das zu entschuldigen.

Alltags-RP

Unter Alltags-Rollenspiel versteht man das, was der Charakter alltäglich macht. Dinge, die selbstverständlich sind, wie etwas essen oder mal auf Toilette gehen. Vielleicht geht er einem Handwerk nach oder erledigt eine andere Arbeit, erstattet jemandem Bericht oder hält eine Rede, um für eine Gemeinschaft zu werben. Oder einfach mal mit dem NPC über die Preise für die Überfahrt nach Khemi diskutieren und handeln. Es gibt eine Menge Möglichkeiten für Alltags-RP, das sich meist auf wenige Minuten beschränkt, die Welt aber lebendiger macht und anderen die Möglichkeit gibt, darauf einzusteigen und so neue RP-Situationen zu schaffen. Diese Art des RPs ist recht eintönig, da meist wieder und wieder das selbe ausgespielt wird, bietet aber wie auch das Lagerfeuer-/Tavernen-RP die Möglichkeit, neue Situationen zu erschaffen.

Zum Alltags-RP zählen auch Charaktere, die einer Arbeit virtuell nachgehen und beispielsweise eine Taverne leiten oder die Stadtwache verkörpern. Wenig von dem, was sie dort erleben, geschieht jeden Tag, aber der Charakter tut täglich dasselbe, nämlich Gäste bedienen, die Taverne sauberhalten bzw. Leute in der Stadt zu ermahnen, langsamer zu reiten oder für Ordnung zu sorgen und Konflikte zu lösen.

Erotisches und CyberSex-RP

Manche Charaktere nutzen ihre sexuellen Reize, um ihre Ziele zu erreichen. Manche werden auch als Konkurbinen (Lustmädchen) gespielt und andere haben einfach einen anziehenden Partner gefunden und wollen das ausspielen. Prinzipiell spricht nichts dagegen, Geschlechtsverkehr und körperliche Liebe in einem Spiel ab 18 voll auszuspielen (mithilfe von Emotes) allerdings sollte, wie im wahren Leben auch, alles auf gegenseitigem Einverständnis geschehen. Es gibt Charaktere, die Sklaven darstellen, was von deren Herren sicherlich auch schonmal in sexueller Hinsicht ausgenutzt wird. Aber es gilt nicht nur abzuklären, wie weit man mit den eigentlichen Handlungen gehen kann…

Wichtig ist auch, zu klären, wie detailliert solche Situationen dargestellt werden sollen. Einige Spieler bleiben bei sexuellen Handlungen lieber oberflächlich und umschreiben alles, andere beschreiben bis in’s Detail jede Körperregung und -region. Auch hier gilt: Erlaubt ist, was allen Beteiligten gefällt, solange es nicht in die Perversion abrutscht oder gegen bestehende Gesetze verstößt (z.B. das Ausspielen von Pädophilie).

Pseudo-RP

Wer eigentlich eine ganz andere Absicht hat als eine RP-Situation herbeizuführen, dennoch aber versucht das Ganze in Rollenspiel zu verpacken, aus welchem Grund auch immer, praktiziert sogenanntes Pseudo-RP. Das zeichnet sich durch wenige Interaktions-Möglichkeiten oder ein unvermeidbares Ende aus und ist meist sehr kurz und knapp gehalten. Oftmals wird Pseudo-RP genutzt, um eine Ausrede für Aktionen wie PvP-Angriffe oder das Ausnutzen der Spielmechanik zu bekommen. Diese Art des RPs sollte tunlichst vermieden werden, da es niemand mag, der wirkliches Interesse am Rollenspiel hat.

Plot-RP

Diese Art des Rollenspiels läuft nach einem vorher festgelegten Handlungsstrang ab und erlaubt nur wenig Eigeninitiative der teilnehmenden Charaktere. Das Ende der Situation bzw. des Plots steht von vornherein fest, der Verlauf oftmals ebenfalls. Ich persönlich finde Plot-RP äusserst langweilig und es erinnert mich eher an eine Theateraufführung denn an Rollenspiel.

Häufig werden bei Plots Spieler, die nicht von Anfang an eingeplant waren, ignoriert und ausgeschlossen, sodass es keine Möglichkeit für andere gibt, einzugreifen. Es kann genutzt werden, um beispielsweise erklären und ausspielen zu können, wie jemand in eine Gilde kommt oder um eine bestimmte Situation herbeizuführen. Plot-RP ist dabei meist sehr unflexibel. Allerdings gibt es auch Plot-RP, das dort eingesetzt wird, wo es nicht anders geht, beispielsweise wenn inGame ein Theaterstück aufgeführt wird. Der Plot wird durchgezogen und alles, was nicht geplant ist, als nicht existent abgetan.

Plot-RP kann durchaus auch angebracht und angenehm sein, seht Euch dazu den Beitrag von Mael an.

Event-RP

Rollenspiel-Events sind meist von Spielern geplante und durchgeführte Veranstaltungen wie z.B. ein Turnier oder ein Sklavenmarkt. Auch eine Theateraufführung oder ein Talentwettbewerb ist ein Event. Der Unterschied zum Plot-RP besteht darin, dass auch auf unvorhergesehenes, ungeplantes eingegangen und reagiert wird. Events sind meist für alle Spieler des Servers zugänglich, man kann dort wunderbar andere Rollenspieler kennenlernen und sich am Geschehen beteiligen. Der Rahmen ist geplant, der Ablauf in bestimmten Punkten ebenfalls, das Geschehen nicht.

Events zu stören oder unangemessen zu boykottieren bzw. zu torpedieren sollte man vermeiden. Die Spieler, die ein Event veranstalten, haben meist viel Arbeit damit gehabt, denn das Ganze muss geplant, organisiert, beworben und durchgeführt werden. Daher solltet ihr etwas Respekt vor solche Aktionen zeigen, was nicht heißt, dass euer Charakter nicht dagegen sein und handeln kann. Vielleicht ruft ein Event wie ein Sklavenmarkt sogar ein Gegenevent wie eine Anti-Sklaverei-Demo ins Leben, ohne dass das von den Veranstaltern so geplant war. Oft folgen auch Konsequenzen für Teilnehmer und Veranstalter, die sich auf Beziehungen, Ruf, etc. auswirken können. Jemand der eine Hetzrede gegen Stygier hält, sollte sich anschließend nicht in der Schlangenkopf-Taverne in Khemi blicken lassen.

Improvisations-RP

Die am häufigsten praktizierte Form des RPs ist die Improvisation in jeder beliebigen Situation. Jeder Charakter sollte ein gewisses Konzept haben, das seine Hintergrundgeschichte zumindest kurz anreißt und erklärt, warum er handelt, wie er handelt. Diesen Hintergrund nun im Handeln umzusetzen und auf die jeweilige Situation angemessen zu reagieren, ist Improvisations-RP. Man richtet sich nach seinem Konzept und nach dem, was gerade geschieht. Wer das gut raushat, kann seinen Charakter glaubhaft ausspielen und wird auch Schwierigkeiten meistern.

Auch beim Improvisations-RP hat natürlich jede Handlung Konsequenzen. Allerdings ist hier garnichts geplant, weder der Ausgang der Situation noch die Situation selbst. Man kann sich natürlich verabreden oder auch kurz planen, was man vorhat, aber letzteres kann man auch im RP selbst improvisieren. Der Reiz bei dieser Art des RPs ist, dass man nie weiß, in welche Situationen man als nächstes gerät und wie der Gegenüber reagiert. Improvisation ist auch ein essentieller Bestandteil vieler anderer Arten des RPs (siehe oben), wie beispielsweise beim Event-RP, das im Prinzip nichts weiter ist als ein Rahmen für Improvisationen. Im Alltags-RP ist die Improvisation das Reagieren auf unerwartetes. Zusammengefasst: In der Rolle sein und bleiben, egal was passiert.

 

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